Der Anlass: was erscheint, wann und warum
Jede Presseinfo beantwortet zuerst drei Fragen: was erscheint, an welchem Datum und warum das interessant ist. Der Anlass kann eine Single sein, eine EP, ein Album, ein Video oder eine Tour. Je klarer er ist, desto leichter können Redaktionen ihn einordnen. Eine neue Single mit Titel und Datum ist ein Anlass; „neue Musik ist bald da“ gibt niemandem etwas in die Hand.
Das Warum ist der Teil, der Aufmerksamkeit erzeugt. Ein Debüt, eine neue Besetzung, ein Song über ein bestimmtes Thema, eine Zusammenarbeit mit einer anderen Künstlerin: Ein konkreter Aspekt reicht. Er muss stimmen und sich in einem Satz erzählen lassen. Wie du diese Geschichte grundsätzlich findest, beschreibt der Artikel darüber, wie Musik ihr Publikum findet.
Aufbau einer Presseinfo, die gelesen wird
Eine gute Presseinfo passt auf eine Seite, meist reichen 2.000 bis 3.000 Zeichen. Redaktionen erhalten viele Einsendungen und lesen oft nur den Anfang genau. Deshalb steht das Wichtigste oben, und jeder Absatz hat eine Aufgabe. Schreib in der dritten Person, sachlich und konkret, damit Journalistinnen und Journalisten einzelne Sätze direkt übernehmen können. Zitate oder Pressestimmen nutzt du nur, wenn sie echt sind und du die Quelle nennen kannst. Superlative wie „das Album des Jahres“ überlesen die meisten, eine präzise Beschreibung des Sounds bleibt eher hängen.
Ein Satz wie „warme Orgel, trockenes Schlagzeug, Texte über das Ankommen“ sagt mehr als drei Ausrufezeichen.
- Überschrift: Name, Titel des Releases und Art der Veröffentlichung
- Erster Absatz: was wann erscheint, mit einem Satz zum Klang
- Kontext: Entstehung, Thema oder Besonderheit in wenigen Sätzen
- Kurzbiografie: drei bis fünf Sätze zum Act, nur Überprüfbares
- Ausblick: Konzerte oder weitere Veröffentlichungen, sofern geplant
- Kontakt und Links: Hörlink, Fotos, Ansprechperson
Das Release-Paket im Überblick
Neben dem Text gehört ein kleines Paket dazu, das Redaktionen ohne Rückfrage nutzen können. Leg alles in einen gemeinsamen Ordner mit klaren Dateinamen, etwa nach dem Muster Künstlername, Titel, Inhalt. Ein einziger Link zu diesem Ordner ist in einer E-Mail angenehmer als mehrere schwere Anhänge.
Prüf den Ordner vor dem Versand einmal aus der Sicht einer fremden Person: Öffnet sich der Hörlink ohne Anmeldung, sind die Fotos in voller Größe abrufbar, stimmen die Namen in den Credits? Fünf Minuten Kontrolle ersparen später lange Mailwechsel.
| Bestandteil | Inhalt | Übliches Format |
|---|---|---|
| Presseinfo | Anlass, Kontext, Kurzbiografie, Kontakt | Eine Seite als PDF und als Text |
| Hörlink | Der ganze Release vorab zum Anhören | Privater Streaminglink, auf Wunsch Download |
| Credits | Komposition, Text, Musiker, Produktion, Mix, Mastering | Liste pro Track |
| Pressefotos | Zwei bis vier aktuelle Motive | Quer- und Hochformat, hohe Auflösung |
| Cover | Artwork des Releases | Quadratisch, meist mindestens 3000 × 3000 Pixel |
| Video | Musikvideo oder Live-Session, falls vorhanden | Link zur Videoplattform |
| Kontakt | Ansprechperson für Presse und Booking | E-Mail, die regelmäßig gelesen wird |
Den Zeitplan rückwärts rechnen
Viel Wirkung geht verloren, wenn die Vorbereitung erst kurz vor dem Termin beginnt. Rechne deshalb vom Veröffentlichungsdatum rückwärts. Printmagazine planen ihre Ausgaben oft Wochen im Voraus, Online-Medien und Radios reagieren schneller, und Streamingplattformen brauchen den Upload über einen Vertrieb mit Vorlauf. Wer Vinyl pressen lässt, beginnt noch deutlich früher.
Vinyl ist ohnehin ein Kapitel für sich, mit Testpressung, Freigabe und den Wartezeiten der Presswerke, das hier nur am Rand vorkommt.
Plane außerdem Zeit für dich selbst ein. Fotos, Texte und Credits entstehen selten an einem Nachmittag. Ein realistischer Rahmen für ein kleines Release-Paket sind zwei bis drei Wochen Arbeit neben Proben und Alltag. Wer den fertigen Mix rechtzeitig hat, kann früh verschicken; was dafür im Studio noch ansteht, beschreibt der Beitrag über Mischen und Sound.
Credits und Pressefotos sorgfältig vorbereiten
Credits sind mehr als Höflichkeit. Sie nennen alle, die an einem Song beteiligt waren, und bilden die Grundlage für Rechte und Abrechnung über Verwertungsgesellschaften. Halte für jeden Track fest, wer komponiert, getextet, gespielt, produziert, gemischt und gemastert hat. Ergänze die ISRC-Codes, die jeder Aufnahme eindeutig zugeordnet sind; meist vergibt sie dein Vertrieb oder Label. Ein fehlender Name in den Credits ist später mühsamer nachzutragen als jetzt in einer Tabelle.
Pressefotos sollten aktuell sein und zum Release passen. Liefere mindestens ein Querformat für Webseiten und ein Hochformat für Print und Social Media, jeweils mit genug Rand, damit Redaktionen zuschneiden können, und für den Druck sind etwa 3000 Pixel an der langen Seite eine sichere Größe. Nenne die Person, die fotografiert hat, im Dateinamen oder in einer Textdatei und kläre vorab, dass die Bilder für die Berichterstattung frei genutzt werden dürfen.
Kontakt halten und gezielt nachfassen
Eine Presseinfo wirkt nur, wenn jemand antworten kann. Gib eine Ansprechperson mit E-Mail an, die in den Wochen rund um den Release regelmäßig erreichbar ist. Versende persönlich adressiert, mit dem Namen der Redaktion oder Sendung, statt in großen Verteilern mit sichtbaren Adressen. Mehr zu Aufnahme, Bühne und Szene versammelt das Journal für Artists.
Plane das Nachfassen gleich mit: eine kurze, freundliche Nachricht nach etwa ein bis zwei Wochen, bei Printmedien rechtzeitig vor deren Redaktionsschluss. Danach lässt du es gut sein und notierst in einer schlichten Liste mit Medium, Datum und Antwort, wer reagiert hat. Ob eine Redaktion, die diesmal geschwiegen hat, beim nächsten Release wieder auf diese Liste kommt, ist eine Frage, die du erst dann beantworten musst.
Häufige Fragen
Muss ich die Presseinfo auch auf Englisch schreiben?
Für Medien im deutschsprachigen Raum reicht eine deutsche Presseinfo. Wenn du gezielt internationale Blogs oder Radiosender ansprichst, lohnt sich eine zusätzliche englische Fassung. Übersetze dabei nicht Wort für Wort, sondern formuliere die wichtigsten Punkte neu und knapp. Hörlinks, Credits und Fotos bleiben gleich, sodass du nur den Text anpassen musst.
Was ist ein ISRC-Code?
Der International Standard Recording Code ist eine eindeutige Kennung für eine einzelne Tonaufnahme. Mit ihm lassen sich Wiedergaben und Verkäufe einer Aufnahme zuordnen, auch wenn sie auf verschiedenen Plattformen erscheint. Jede eigene Version eines Songs, etwa ein Remix oder eine Live-Fassung, bekommt einen eigenen Code. In der Regel vergibt ihn der Vertrieb oder das Label beim Upload.
Brauche ich ein Label, um Musik zu veröffentlichen?
Für eine Veröffentlichung auf Streamingplattformen nicht unbedingt. Digitale Vertriebe ermöglichen auch Acts ohne Label, Musik weltweit verfügbar zu machen. Ein Label kann dafür bei Pressearbeit, physischen Tonträgern, Kontakten und Finanzierung helfen. Überleg dir, welche dieser Aufgaben du selbst übernehmen willst und wofür du Unterstützung suchst, bevor du einen Vertrag unterschreibst.
Sollte ich zuerst eine Single oder gleich ein Album veröffentlichen?
Viele Acts veröffentlichen vor einem Album eine oder mehrere Singles im Abstand von einigen Wochen. Jede Single ist ein eigener Anlass für Presse, Playlists und soziale Medien und hält die Aufmerksamkeit über einen längeren Zeitraum wach. Das Album bündelt danach die Geschichte. Bei einem ersten Release ist eine starke Single oder eine kurze EP oft ein guter Einstieg.
Wie benenne ich die Dateien im Pressekit?
Klare Dateinamen sparen Redaktionen Zeit und verhindern Verwechslungen. Bewährt hat sich ein Schema aus Künstlername, Titel und Inhalt, etwa Name_Single_Presseinfo oder Name_Pressefoto_quer. Verzichte auf Sonderzeichen und Leerzeichen, weil manche Systeme damit nicht zurechtkommen. Leg zusätzlich eine kurze Textdatei mit Fotocredits und Nutzungshinweisen in den Ordner.
Darf ich Pressestimmen in die Presseinfo übernehmen?
Ja, wenn sie echt sind, wörtlich stimmen und du die Quelle nennst. Kurze Zitate aus Rezensionen oder Radiosendungen geben neuen Lesern Orientierung. Wähle wenige, aussagekräftige Sätze statt einer langen Liste, und formuliere Zitate nicht um. Gibt es noch keine Pressestimmen, spricht die Musik mit einem guten Hörlink und einer präzisen Beschreibung für sich.
