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Geschichte · Neusiedl am See

Bergwerk Neusiedl am See: Geschichte von Disco und Livebühne

Knapp zwei Jahrzehnte lang war das Bergwerk Neusiedl am See Disco, Konzertkeller und Treffpunkt für Bands aus dem Burgenland und weit darüber hinaus. Hier steht seine Geschichte: wie der Club funktionierte und was von ihm geblieben ist.

Bergwerk Neusiedl: die Anfänge in der Kellergasse

Das Bergwerk öffnete am 25. Oktober 2001 in der Kellergasse von Neusiedl am See, jener Gasse mit alten Weinkellern unweit des Hauptplatzes. Zum Namen passte „Glück auf“, der alte Gruß der Bergleute, der in den Programmen oft auftauchte.

Als Motto des Hauses galt laut Programm schlicht „be nice or leave“.

Laut Programm der Jahre 2003 und 2004 war das Lokal von Mittwoch bis Sonntag ab 20 Uhr und vor Feiertagen geöffnet, kurz darauf von Donnerstag bis Sonntag. Im Jänner 2003 spielte etwa die Wiener Indie-Pop-Band Peekaboo, im Oktober 2003 feierte das Lokal „2 Jahre Bergwerk“ an zwei Abenden mit Livebands und DJs. Auf dem Programm dieser Wochenenden stand unter anderem die Band Flashbax.

Spätere Jubiläen folgten demselben Muster: Am 25. Oktober 2007 stand „6 Jahre Bergwerk“ im Kalender, eingerahmt von Konzerten, einem Oktoberfest-Abend und einer Halloweenparty.

Okt. 2001Eröffnung des Bergwerk in derKellergasse von Neusiedl amSeeOkt. 2003„2 Jahre Bergwerk“ mit zweiKonzertabendenJän. 2007Vorrunden desBandwettbewerbs Local Heroesan zwei AbendenApr. 2009Letzter „Friday Night Special“der Storks-CrewDez. 2016Silent Disco mit Funkkopfhörernund zwei DJ-KanälenDez. 2019Ankündigung der letzten Saison29.02.2020„Best of Bergwerk“ als letzterÖffnungsabend
Die Zeitleiste zeigt belegte Stationen des Bergwerk von der Eröffnung bis zum letzten Abend.

Räume, Regeln und Konzept

Zu den Bereichen des Lokals zählten 2003 eine Outdoor-Bar, die Bar vorne, eine Ecke für Spiel und Spaß, Sofas, eine Lounge, eine Absinth-Bar, die Blume-Bar und die Bühne. Die Getränkekarte spiegelte das wider. Neben Bier, Spritzer und Longdrinks gab es gleich fünf Absinthsorten aus Österreich, Spanien und Tschechien, dazu Hausmischungen mit verspielten Namen und kleine Snacks wie Chili und Toast.

Ein kurzer Hauskodex mit dem Titel „du sollst …“ regelte das Miteinander: keine mitgebrachten Getränke, sorgsamer Umgang mit Einrichtung und Toiletten, Respekt vor fremdem Eigentum. Für viele Abende galt Einlass ab 16 Jahren mit Ausweis.

Das Selbstverständnis lautete in den Jahren um 2013: eine sinnvolle Mischung aus Party und Kultur. Laut Programm von 2007 organisierte ein gemeinnütziger Verein namens Kulturjugend Bergwerk die Veranstaltungen und arbeitete kostendeckend; aus den Eintrittsgeldern wurden Gagen, Plakate und Gebühren bezahlt, der Barbetrieb lag beim Lokal.

Disco, Livebühne und Partyreihen

Musikalisch war das Bergwerk breit aufgestellt. Die frühen Kalender reihen Deutschpunk, Ska-Punk, Gothic Metal, Reggae, Grunge, Indie-Pop und experimentellen Jazz aneinander, oft mit Bands aus dem Burgenland, Niederösterreich, Wien und der Steiermark, gelegentlich aus Ungarn und Deutschland. Laut Programm kam die Berliner Band Mobile mehrfach, Gasmac Gilmore spielte unter anderem im Rahmen der Balkanbeatz-Abende.

Das langlebigste Format war Pusztabeatz, eine Drum-and-Bass-Reihe mit fortlaufender Nummer. Im Oktober 2007 feierte sie fünf Jahre, im Mai 2013 lief bereits Ausgabe 069. Daneben prägten der Elektro- und House-Freitag der Storks-Crew, Reggae- und Dancehall-Nächte unter dem Namen Rootical Vibez, Metal-Nights und Mottopartys wie „40 Jahre Woodstock“ den Kalender. Für viele war das Bergwerk deshalb die Disco Neusiedl am See schlechthin, obwohl dort an vielen Abenden handgemachte Musik lief.

Wiederkehrende Formate im Bergwerk und ihr belegter Zeitraum
FormatWas es warZeitraum
PusztabeatzDrum-and-Bass-Reihe mit fortlaufend nummerierten Ausgaben, meist samstagsab 2002, Ausgabe 069 im Mai 2013
Open StageOffene Bühne an einem Freitag im Monat bei freiem Eintritt2003 bis 2004 laut Programm
Storks Friday Night SpecialElektro- und House-Freitag der Storks-Crew, meist ohne Eintrittbis April 2009
FilmnachtKultfilme am Sonntagabend bei freiem Eintritt2006 laut Programm
BalkanbeatzParty mit Balkan-Sound, teils mit Liveband und DJ2008 bis 2010
BandwettbewerbeVorrunden von Local Heroes, Ost Rock Trophy und SPH Bandcontest2007 bis 2015
Drinks & MusicBarabende ohne festes Programm, Eintritt frei2012 bis 2013

Programm, Fotos und Vorverkauf

Das Programm des Bergwerk erschien Monat für Monat als Kalender mit Datum, Bands oder DJs und Eintritt, dazu kurze Bandporträts mit Herkunft und Stilrichtung. Viele Abende hatten drei Preisstufen: Abendkassa, Vorverkauf und einen ermäßigten Preis für Mitglieder. Karten gab es an der Bar und bei Vorverkaufsstellen im Ort.

Fotos begleiteten den Club von Anfang an. Schon in den frühen Jahren hielten Galerien einzelne Pusztabeatz-Abende und Mottopartys fest, später wanderten die Bilder in die sozialen Netzwerke. Ab etwa 2007 gab es dort auch Hörproben kommender Bands, damit das Publikum wusste, was es am Wochenende erwartete.

Alltag zwischen Bühne und Bar

Für Bands galten laut den Konditionen der Jahre um 2004 klare Regeln. Saalmiete fiel keine an, eine fixe Gage aber auch nicht: Die Bands bekamen 70 Prozent der Eintrittseinnahmen, das Lokal übernahm Plakate, den Eintrag im Kalender und Hinweise an Medien. Damals standen ein 10-Kanal-Mischpult, eine PA mit Subwoofer, zwei Monitore und drei Gesangsmikrofone bereit, bis 2015 wuchs die Ausstattung um ein Digitalpult, Kompressor, Hall, vier Monitore und DI-Boxen. Einen Tontechniker gab es bei Bedarf. Auch DJs konnten sich bewerben, ob mit Sechziger-Platten, Punk, Metal oder eigenem Elektro-Mix; Drum and Bass lief über die feste Crew. Private Feiern waren willkommen, aber ohne Miete und ohne geschlossene Gesellschaft, weil es kein Extrazimmer gab und die Stammgäste nicht ausgesperrt werden sollten. Das Buffet brachten die Gäste mit, die Getränke kamen von der Theke. Wie solche Türdeals im Vergleich zu anderen Modellen funktionieren, zeigt der Beitrag zu Konditionen für ein Konzert.

Dazu kamen Abende mit eigenem Charakter: Wuzzler-Turniere, Schulschlusspartys, ein Heiliger Abend im Bergwerk schon 2003, Silvesterpartys mit Livebands und im Oktober 2007 eine Blutspendeparty zugunsten des Roten Kreuzes. Im Dezember 2016 brachte eine Silent Disco zwei DJ-Kanäle über Funkkopfhörer in den Keller.

Die letzte Saison

Im Dezember 2019 kündigte das Bergwerk an, am 29. Februar 2020 zum letzten Mal zu öffnen. Als Gründe nannte die Betreiberseite, dass sich die Ausgehkultur stark verändert habe, die Gästezahlen zurückgegangen seien und das Rauchverbot eine Herausforderung darstelle, der man sich nicht mehr stellen wolle. Nach rund 18 Jahren endete damit die Geschichte des Bergwerk Neusiedl am See, einer der bekanntesten Adressen für Nachtleben im Bezirk.

Das Abschiedsprogramm lief laut Ankündigung ab dem 13. Dezember 2019 und griff noch einmal die Stränge der Geschichte auf: eine Drum-and-Bass-Party, ein Heavy-Metal-Abend mit DJ, am 24. Dezember ein Benefizabend zugunsten von Kinderschutzzentren, ein Konzert am 28. Dezember und Silvester mit DJ. Im Februar folgten ein Elektro-Abend, ein DJ-Abend und eine Faschingsparty, bevor „Best of Bergwerk“ mit mehreren DJs den Schlusspunkt setzte.

Was von der Geschichte bleibt

Geblieben sind vom Bergwerk Neusiedl vor allem Geschichten von Bands, die im Bergwerk ihre ersten Auftritte außerhalb des Proberaums hatten. Für junge Gruppen aus dem Nordburgenland war der Keller eine erreichbare Bühne mit echtem Publikum, und Vorrunden von Bandwettbewerben, laut Programm etwa von Local Heroes, gaben ihnen eine erste Bühne mit Jury. Für viele, die in den Nullerjahren jung waren, bleibt der Keller die Disco Neusiedl am See ihrer Jugend, mit Pusztabeatz-Nächten, Mottopartys und Konzerten unter dem Gewölbe. Wer sich für diese Art von kleiner Bühne interessiert, findet im Journal einen Text über Bühne und Livekultur.

Was heute rund um den See musikalisch los ist, sammelt die Seite zu Live-Musik in Neusiedl am See.

Nach der Schließung wurden die Räume umgebaut; daraus entstand das Weinlokal Jörgs im Winzerkeller.

Häufige Fragen

Wann hat das Bergwerk Neusiedl eröffnet und wann geschlossen?

Das Bergwerk öffnete am 25. Oktober 2001 und hatte seinen letzten Öffnungsabend am 29. Februar 2020, einem Schalttag. Dazwischen lagen gut 18 Jahre mit Konzerten, DJ-Abenden und Jubiläumspartys, die jeweils rund um den Oktober gefeiert wurden. Gefeiert wurde jeweils mit Livebands und DJs an mehreren Abenden.

Wo lag das Bergwerk in Österreich?

Das Bergwerk lag in Neusiedl am See im Nordburgenland, in der Kellergasse unweit des Hauptplatzes. Mit dem Auto kam man über die A4, mit dem Zug von Wien bis zum Bahnhof Neusiedl am See und von dort mit dem Bus oder zu Fuß bis in die Gasse mit den alten Weinkellern.

Welche Musik lief im Bergwerk Neusiedl am See?

Das Spektrum reichte von Punk, Ska und Metal über Indie, Reggae und Dancehall bis zu House, Elektro und Drum and Bass. Live spielten vor allem junge Bands aus Österreich, an den Wochenenden legten DJs auf. Am bekanntesten wurde die Drum-and-Bass-Reihe Pusztabeatz, die über Jahre regelmäßig im Keller gastierte.

Warum hat das Bergwerk zugesperrt?

Laut der Ankündigung vom Dezember 2019 hatte sich die Ausgehkultur stark verändert und die Zahl der Gäste war zurückgegangen. Dazu kam das Rauchverbot in der Gastronomie, das die Betreiberseite als Herausforderung beschrieb, der sie sich nicht mehr stellen wollte. Die Schließung war demnach eine lange überlegte Entscheidung.

Was hat Jörgs mit dem Bergwerk in Neusiedl zu tun?

Jörgs ist ein Name aus der Gastronomie in Neusiedl am See. Nach dem Ende des Clubs entstand in den umgebauten Räumen das Weinlokal Jörgs im Winzerkeller.